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Tradition, Hightech, Enthusiasmus: Das Erfolgskonzept der Kniesche Orthopädietechnik GmbH

Digitale Messtechniken, intelligente Materialen, „mitdenkende“ Prothesen – in der Branche der Orthopädietechnik tut sich gerade einiges. Wer in Potsdam und Umgebung auf der Suche nach Innovation ist, sollte unbedingt bei der Kniesche Orthopädietechnik GmbH vorbeischauen. Das Potsdamer Traditionsunternehmen hat sich in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Anbieter für Prothetik und Hilfsmittelherstellung in Westbrandenburg entwickelt – dank eines klugen Innovationskonzeptes, unternehmerischem Weitblick und moderner Mitarbeiterführung. 2017 hat die Kniesche Orthopädietechnik GmbH für ihr Firmenkonzept den Brandenburger Zukunftspreis erhalten.

Henry Kniesche sprüht vor Enthusiasmus. Wort für Wort füllt sich der Slogan „MEHR INNOVATION“ mit Leben. Ende 2010 hat der heute 37-Jährige die Kniesche Orthopädietechnik GmbH übernommen, ein Familienunternehmen, dessen Anfänge bis in die 1990er Jahre reichen. Die Orthopädie-Werkstatt ist seit den 1950er Jahren bis Ende der 1990er Jahre in der Potsdamer Oberlinklinik angesiedelt. 1999 wird die Kniesche Orthopädietechnik GmbH als eigenständiges Unternehmen ausgegliedert und von Vater Lutz Kniesche, der seit 1990 bereits das Sanitätshaus Kniesche führt, und Peter Riedel übernommen. 2007 stößt Sohn Henry Kniesche als frisch gebackener Meister direkt in die Werkstatt hinzu – und genau dort setzt er auch an, mit seinem Elan, das Unternehmen zu modernisieren und Raum für Neues zu schaffen. Er erwirbt für die Werkstätten weitere Räume vom Oberlinhaus, baut um, modernisiert – ohne jedoch Bewährtes über Bord zu werfen. Damit schwenkt er ein in jenen Kurs, auf dem der Erfolg des Potsdamer Unternehmens fußt: zwischen Tradition und Moderne.

Kniesche verbindet innovative Technik, traditionelles Handwerk und moderne Mitarbeiterführung

Die alte Schmiede muss weichen, dafür wird der Gipsraum – zur Anfertigung der Modelle – vergrößert, das Inventar auf den neuesten Stand gebracht. Hieran wird sehr deutlich, was Kniesche wichtig ist: die Kombination neuer Technologien mit traditionellem Handwerk. „Mein Herz hat schon immer für Technik geschlagen. Zugleich war mir früh klar, dass ich diesen Beruf ausüben werde. Beides zu kombinieren ist mein Ziel“, beschreibt der Unternehmer seine Philosophie – eine Philosophie, die ihm 2017 den Zukunftspreis Brandenburg eingebracht hat. „Die Kniesche Orthopädietechnik GmbH […] verbindet ein wichtiges Gesundheitshandwerk mit innovativer Technik und moderner Mitarbeiterführung,“ heißt es aus der Begründung der Jury.

Auf der Suche nach innovativen Technologien reist Kniesche viel herum und lässt sich beraten. Produkte und Software müssen praktikabel sein, so dass er sie seinen Mitarbeitern schnell vermitteln kann. Auch in Sachen Mitarbeiterführung hat der 37-Jährige einiges umgekrempelt. Statt strenger Hierarchien zwischen Meister und Geselle setzt er auf flache Strukturen, mehr Verantwortung und Mitspracherecht – gemeinsames Arbeiten auf Augenhöhe. „Zwar schaut der Meister weiterhin auf das Endprodukt, den Weg dorthin bestimmt jeder Mitarbeiter aber eigenverantwortlich“, sagt Kniesche, der auch das Thema Fortbildungen konsequent angeht. Die Qualifizierung seiner Mitarbeiter ist ihm wichtig. Die jungen Kollegen schätzen das sehr, aber auch die alten Mitarbeiter hat er mitgenommen auf die Reise. Und die Reise geht eindeutig Richtung Zukunft.

Digitale Messtechniken, intelligente Materialen, „mitdenkende“ Prothesen – es bewegt sich viel in der Branche

Die Kniesche Orthopädietechnik GmbH gehört zu den wenigen Unternehmen in der Branche, die digitale Messtechniken erfolgreich etabliert haben. Da wäre zum Beispiel die Scantechnik via Tablet, mit der sich ein digitales 3D-Modell erstellen lässt, das beispielsweise als Grundlage für ein Korsett fungiert. Während vor wenigen Jahren noch stundenlanges Gipsen nötig war, wird der Oberkörper heute mit dem Tablet in wenigen Schritten gescannt. Aber auch das traditionelle Gipsen sei nach wie vor ein „sehr probates und gutes Mittel“, an dem Kniesche festhält. „Es gibt Krankheitsbilder, da muss man den Fuß fühlen können, das funktioniert digital einfach nicht."

Die Zukunft der Orthopädietechnik wird smart

Neben neuen Messtechniken bietet die Kniesche Orthopädietechnik GmbH eine Reihe innovativer Produkte wie beispielsweise spezielle Korrektureinlagen aus Aluminium für Kleinkinder mit Knickfuß. Die Anfertigung ist komplex und für das Unternehmen bislang wenig wirtschaftlich. Aber die Nachfrage vonseiten der Ärzte ist aufgrund der Effizienz groß. Und so hält Kniesche daran fest – auch das ist ein Qualitätsmerkmal des Traditionsunternehmens: Die hohe Qualität der Produkte, die laufend optimiert, verfeinert und weiterentwickelt werden, und zwar immer an den Bedürfnissen der Patienten entlang. "Wir wollen Menschen mit unseren Hilfsmitteln wieder bestmöglich in den Alltag integrieren“, so Kniesche.

Es gibt vieles, das der Orthopädietechnikermeister weiter vorantreiben möchte. „Wir werden den technischen Fortschritt weiter mitgehen, verschiedene Frästechniken und auch 3D-Drucker auszuprobieren, um den gewachsenen Anforderungen unsere Kunden gerecht zu werden und weiterhin schnell und bedarfsgerecht Produkte herzustellen.“ Er geht dabei sehr umsichtig vor. „Zunächst müssen wir einen bestimmten Umsatz erreichen, um in Forschung und Innovation investieren zu können.“ Das Umsatzpotential ist auf jeden Fall da. Und die Zukunft verspricht wegweisende Innovationen, mit einer Wirkung weit über die Branche hinaus. Ein gutes Beispiel ist das so genannte Exoskelett (das außen an den Körper angebracht die Funktion der Muskeln übernimmt), durch das Querschnittsgelähmte vielleicht bald wieder laufen können. Auch die künstliche Hand oder die Imitation von Empfindungen wie in einem natürlichen Körperteil sind keine Illusion mehr, sondern konkrete Zukunftsziele.

Die Zukunft verspricht wegweisende Innovationen, mit einer Wirkungskraft weit über die Branche hinaus – Beispiel Exoskelett

"Es bewegt sich viel in der Branche“, sagt Kniesche, insbesondere bei Messverfahren gäbe es derzeit eine rasante Entwicklung. Aber auch die Materialien selbst werden immer intelligenter. Schon bald werden Orthesen nicht mehr aufwendig angepasst werden müssen, sondern passen sich selbst dem Körper des Patienten an: Ein smartes Hemd sozusagen, das auf Knopfdruck steif wird.

Intelligente Technologien erfordern smarte Köpfe, weshalb Kniesche bei potentiellen Mitarbeitern die Softwarekompetenz wichtig ist. „Früher brauchte man zwei rechte Hände, heute sollte eine Hand auch die Software bedienen können.“ Prinzipiell sei es allerdings noch schwierig, im Branchenumfeld Mitarbeiter mit dem nötigen Know-how zu finden. Deshalb will Kniesche einen alternativen Weg erproben – ein Experiment, wie er verrät: Warum nicht mal einen IT-Experten einstellen und ihm die handwerkliche Kompetenz vermitteln. „Wir haben mehrere 100 Produkte im Portfolio, vielleicht können wir zwei davon mit einem ,Fachfremden' entwickeln – das wäre ein Anfang."

Zukunftspreis Brandenburg 2017

Kniesche verbindet innovative Technik, traditionelles Handwerk und moderne Mitarbeiterführung

2017 erhielt die Kniesche Orthopädietechnik GmbH den renommierten Zukunftspreis Brandenburg. In der Jury-Begründung heißt es: „Die Kniesche Orthopädietechnik GmbH hilft seit Jahrzehnten Menschen dabei, wieder gehen, greifen oder schreiben zu können und verbindet ein wichtiges Gesundheitshandwerk mit innovativer Technik und moderner Mitarbeiterführung. Nach der erfolgreichen Unternehmensübergabe in die nächste Generation hat sich der Familienbetrieb in den vergangenen Jahren zu einem der führenden Anbieter für Prothetik und Hilfsmittelherstellung in Westbrandenburg entwickelt. Dank langjähriger und hoher Ausbildungstätigkeit wird der Fachkräftebedarf gesichert. Vorbildlich ist auch das Engagement der Firma bei der Beschäftigung von Menschen mit Behinderung. Die Kniesche Orthopädietechnik GmbH ist ein Unternehmen mit intelligentem und erfolgreichem Unternehmenskonzept, das gut für kommende Herausforderungen gerüstet ist und den Zukunftspreis deshalb zu Recht verdient hat.“

Mehr zur Auszeichnung

Vom Spezialschuh bis zum Kniegelenkersatz: die Produktpalette der Kniesche Orthopädietechnik GmbH bewegt

Die Produktpalette

In den firmeneigenen Werkstätten in Babelsberg produzieren die 45 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen maßgefertigte Prothesen, Spezialschuhe, Schuheinlagen, Korsette oder sogenannte Orthesen – ein Schwerpunkt des Unternehmens. Dabei handelt es sich um Schienen, die beispielsweise zur Stabilisierung oder Ruhigstellung von Armen oder Beinen eingesetzt werden oder ein Gelenk stabilisieren. Sie werden heute aus Karbon, Silikon und Glasfaser gefertigt. Auch im Bereich der Prothetik greift die Kniesche Orthopädietechnik GmbH innovative Entwicklungen auf und bietet etwa ein mikroprozessgesteuertes Kniegelenk, das den natürlichen Bewegungsablauf bis ins Detail unterstützt, ohne dass das Gelenk bewusst gesteuert werden muss.

Mehr zu den Leistungen und Produkten

Revolution von unten: Die Kniesche Orthopädietechnik GmbH produziert Einlagen, die über minimale Spots die Körperhaltung komplett verändern können – und so beispielsweise gegen Migräne oder Nackenschmerzen wirken.

Regionale Kooperation für Innovation

Traditionell verbunden ist die Kniesche Orthopädietechnik GmbH mit der Oberlinklinik, die gemeinsam neue Modelle der Zusammenarbeit erproben werden. So arbeitet das Orthopädietechnik-Unternehmen zum Beispiel derzeit daran, Röntgenaufnahmen, die in der Klinik am EOS-Röntgensystem entstehen, in die eigenen Produktionsabläufe zur 3D-Animation zu integrieren. Dadurch ließe sich ein Korsett anhand des 3D-Rumpfes digital 'anprobieren', bevor es produziert wird was Zeit und Ressourcen spart.